FSJ bewegt

Tipps: So kommt ihr durch das FSJ

Tampons in die Nase und Tarnfarbe ins Gesicht? Ehemalige FSJler haben ihre ultimativen Tipps für ein Freiwilliges Soziales Jahr für euch zusammengestellt.

FSJ-Phasen: Gefühlsgulasch

Von Anfangseuphorie bis Gefühlsgulasch: Auf und Abs während eines FSJs sind ganz normal. Diese Jungs und Mädels wissen, wovon sie sprechen.

Umfrage: Ihre Meinung zum FSJ?

Ich mache FSJ – und du so? Anja und ihre FSJ-Kollegen sind mit der Kamera losgezogen und haben Passanten nach ihrer Meinung zum Freiwilligen Sozialen Jahr gefragt.

Kamingespräch: Unter vier Augen

Wie waren deine ersten Tage? Was hat dir das FSJ gebracht? Zwei ehemalige FSJlerinnen haben sich über ihre Erfahrungen ausgetauscht. Ihre größten Sorgen und ihre Fazit nach einem Jahr als Erfahrungsjoker – im Video.

FSJ in Bayern – Finde deine Einsatzstelle

Dein Freiwilliges Soziales Jahr kannst du zum Beispiel im Krankenhaus, im Kindergarten, in einem Altersheim, beim Rettungsdienst, in einer Kultur- oder Sporteinrichtung machen. Finde hier deine Einsatzstelle!

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Was treiben die anderen? Erfahrungsaustausch

Calvin, 19, Kinderhort

Calvin, 19, Kinderhort

„So, das Abi habe ich in der Tasche, aber wie geht es weiter?“ – Ich schätze vielen von euch geht oder ging es ähnlich wie mir. Ich mache meinen Abschluss, halte mein Zeugnis in der Hand und habe keinen Plan, wie es jetzt weitergeht.

Da ich nicht wusste, was ich studieren sollte und ein Jahr Pause für mich nicht in Frage kam, bewarb ich mich für ein FSJ in einem Kinderhort.

Vor meinem ersten Tag in der Einrichtung machte ich mir viele Gedanken: Wie werden die Kinder auf mich reagieren? Wie nimmt mich das Team auf? Was werden meine Aufgaben sein? An meinem ersten Tag hatte ich erstmal ein komisches Gefühl, als ich durch den Essenssaal lief und alle Blicke auf mich gerichtet waren. Doch schon nach kurzer Zeit war ich nicht mehr der Neue, Unbekannte. Die Kinder bauten nach und nach Vertrauen zu mir auf und ich wurde Teil des Teams. Ich half den Kindern bei den Hausaufgaben, spielte mit ihnen und löste mit ihnen gemeinsam Konflikte. Es war sehr schön zu sehen, wie die Kinder Lesen, Rechnen und Schreiben lernten und an ihren Aufgaben wuchsen.

Auch ich habe viel gelernt: Ich habe gelernt mit Kindern umzugehen, in einem Team zu arbeiten und ich habe einen Einblick in das Arbeitsleben bekommen. Ich habe das Jahr zur Orientierung genutzt und weiß jetzt, dass ich Wirtschaft und Marketing studieren möchte.

Elisabeth, 18, Flüchtlings-Wohngruppe

Elisabeth, 18, Flüchtlings-Wohngruppe

Am meisten überraschte mich die Herzlichkeit. Obwohl die Jugendlichen nicht viel Geld haben, luden sie mich bereits am ersten Tag ein, um mit ihnen zu essen. Ich war für sie noch eine Fremde, trotzdem bereiteten sie für mich Injera zu - ein Gericht aus Eritrea. Die Jugendlichen sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Sie sind ohne ihre Eltern aus verschiedenen Ländern nach Deutschland geflohen, haben meist Krieg und Terror erlebt und finden nun in der Wohngruppe Zuflucht. Obwohl ich genauso alt bin wie sie, haben sie mich schnell als Betreuerin akzeptiert. Ich gab ihnen Nachhilfe in Deutsch, ging mit ihnen einkaufen oder zu Behörden oder half ihnen, Konflikte zu lösen.

Ich bin froh, dass meine Eltern mir nahegelegt haben, ein FSJ zu machen. Die Schichtarbeit war oft anstrengend, aber die Arbeit hat mich erfüllt und meinen Berufswunsch gefestigt. Ich weiß jetzt, dass ich Soziale Arbeit studieren will. Und eines Tages kehre ich vielleicht als pädagogische Mitarbeiterin in die Wohngruppe zurück.

Barbara, 19, Bibliothek

Barbara, 19, Bibliothek

Das FSJ war für mich ein Überbrückungsjahr, weil ich in meinem Wunsch-Studiengang keinen Platz bekommen habe. Ich habe die Schulbibliothek einer weiterführenden Schule beim Ausleihen und beim Planen von Projekten unterstützt und nachmittags Schülerinnen bei den Hausaufgaben geholfen. Es war eine sehr interessante Zeit, in der ich den Schulbetrieb mal von einer anderen Seite kennenlernen durfte. Mit meinem Schlüssel durfte ich auch ins Lehrerzimmer und habe den alltäglichen Wahnsinn abseits des Unterrichts erlebt.

Besonders schön war es für mich die Entwicklung der Mädchen zu beobachten. Von ersten mühsam erlernten Englisch-Vokabeln zu flüssigen Gesprächen, vom unkonzentrierten Quatschmacher hin zur fokussierteren Lernerin - und ich habe meinen Teil dazu beigetragen.

Ich konnte viele neuen Erfahrungen sammeln und bin auch selbst ein Stück erwachsener geworden in dieser Zeit. Mein Selbstvertrauen und meine Durchsetzungskraft sind gewachsen. Und meinen Mathe-Erklär-Skills kann niemand entkommen.

Eva, 20, Heilpädagogische Tagesstätte

Eva, 20, Heilpädagogische Tagesstätte

Schau zurück auf ein Jahr - viel gesehen, viel geschah. Hab’s am Anfang mir selbst nicht zugetraut, dass ich das schaff, das glaubte ich kaum. Nach der Schule - atemlos - brauche ich eine Paus. Packe meine Sachen, geh einfach los. Weg von Freunden, Familie und von Zuhaus. Ab nach Bayern, nach München ich komm’. Komme um Neues zu sehen, Leben zu leben. Neue Menschen, neue Sprache, neues Umfeld, neues Leben. Steh’ vor der Tür, nun geht es los. Gehe hinein mit dickem Kloß. Organisieren, Waschen, Reden, Helfen, Spielen - alles in Einem Neues erleben. Kinder sehen mit anderen Augen. Helfen wo sie mich brauchen. Manchmal bloß ein Lächeln geben. Manchmal bloß zur Seite stehen. Denn bin nicht Betreuer, nicht Praktikant. Hab es selbst nicht ganz gerafft aber nach und nach wird es mir klar. Bin hier im Hort nicht unverzichtbar – jedoch ein Plus, ein Ass im Ärmel, der frische Wind. Bin wichtig so wie ich bin. Jetzt am Ende hat es geklappt. Ich glaub an mich, ich hab’s geschafft. Nach dem Jahr - erfrischt - ist mir klar: das wird’s für mich. Geh wieder los, hab jetzt ein Ziel. Soziale Arbeit, am liebsten hier. Ab ins Studium und dann zurück. Das wahre Leben war für mich ein Glück.

Anja, 18, Grundschule

Anja, 18, Grundschule

Vor einem Jahr wusste ich noch nicht, was auf mich zukommt. Gerade mit der Schule fertig, habe ich mich riesig auf mein FSJ gefreut. Umso näher der Beginn rückte, desto größer war die Vorfreude, die Schule einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben. Gleichzeitig stieg auch die Unsicherheit, nicht zu wissen, was mich genau erwartet und ob ich alle Aufgaben bewältigen kann.

Doch bereits nach den ersten Wochen hatte ich mich gut eingearbeitet und fühlte mich sehr wohl in meiner Einsatzstelle. Jederzeit konnte ich Kollegen fragen, wenn ich Unterstützung, zum Beispiel bei der Vorbereitung eines Sprachkurses, brauchte. Im Alltag half ich vor allem Kindern, die Schwierigkeiten mit der Sprache haben, beziehungsweise teilweise noch kein Wort Deutsch konnten. Mit diesen Kindern musste ich mich zu Beginn mit Händen und Füßen verständigen.

An diese Befürchtungen denke ich, wenn ich jetzt auf mein FSJ zurückblicke und stelle fest, dass sie völlig unbegründet waren. In dem Jahr habe ich auch gemerkt, dass ich später nicht als Lehrerin arbeiten möchte, obwohl mir meine Arbeit im FSJ sehr gut gefallen hat. Im sozialen Bereich möchte jedoch auf jeden Fall bleiben.

Stephanie, 20, Tagungshaus

Stephanie, 20, Tagungshaus

Nach meinem Abitur und einem Auslandsaufenthalt war ich immer noch unschlüssig, was meine Berufswahl angeht. Aus diesem Grund habe ich mich für ein FSJ in einem Tagungshaus entschieden. Die Arbeit an der Rezeption, das Organisieren und der Kontakt mit den Gästen haben mich sehr interessiert.

Als helfende Hand zählte die Mitarbeit an der Rezeption zu meinen Hauptaufgaben. Außerdem habe ich Seminarräume für bevorstehende Tagungen vorbereitet oder den Hausmeister beim Rasenmähen oder Unkraut jäten unterstützt.

Mein Team hat mich direkt aufgenommen und sehr gut bei meinen neuen Aufgaben unterstützt. Geduldig wurde mir der Ablauf an der Rezeption erklärt. Schon nach ein paar Wochen hatte ich einen guten Überblick und ich habe auch immer mehr Verantwortung bekommen. Aufgaben wie das Aushändigen der Schlüssel, die telefonische Information und Beratung der Gäste oder das Einbuchen von Reservierungen wurden mir übertragen.

In dem Jahr hatte ich die Möglichkeit, mir viele Gedanken über die Zukunft zu machen und ich habe mich entschieden, BWL zu studieren.

Tamara, 19, Schule für Kinder und Jugendliche mit Behinderung

Tamara, 19, Schule für Kinder und Jugendliche mit Behinderung

Ich erinnere mich noch ganz genau, als ich ein Mädchen vom Schulbus abgeholt habe. Ihren verwirrten Blick, auf einmal ein neues Gesicht zu sehen, werde ich nie vergessen. Doch bereits nach wenigen Wochen ist dieser Blick einem strahlenden und breiten Grinsen gewichen. Schon alleine für dieses Lächeln kann ich ein FSJ nur empfehlen.

Ich habe in einer Klasse mit schwerst-mehrfach behinderten Kindern gearbeitet, die durch ihre körperliche und geistige Einschränkung ihre Bewegungen kaum bewusst steuern können. Wir haben sie im Bereich Wahrnehmung und Motorik gefördert, indem wir viel mit Musik und Lichtern gearbeitet haben und zum Beispiel durch Schwimmen die Wirbelsäule und Muskeln entspannt haben.

Außerdem gehörte auch die Pflege zu meinem Aufgabengebiet. Am Anfang meines FSJs war ich sehr unsicher und hatte wahnsinnige Angst, etwas falsch zu machen. Aber durch die Unterstützung meiner Kollegen konnte ich mit den Kindern und ihren Krankheitsbildern immer besser umgehen und bekam mehr Routine.

Am Ende kann ich sagen, dass ich durchaus erwachsener geworden bin und mittlerweile einen ganz anderen Blick auf das Leben bekommen habe. Man lernt es zu schätzen, gesund zu sein und Oberflächlichkeiten rücken durch die Arbeit total in den Hintergrund. Und man lernt, dass einem ein kleines Lächeln viel mehr Freude macht als materielle Dinge.